31. August 20267 Minutes

„Nach der ALM-Studie beginnt die eigentliche Arbeit“

Seit 2013 berät HQ Trust institutionelle Anleger wie Versorgungswerke, Zusatzversorgungskassen oder Pensionskassen in Fragen der Kapitalanlage und des Risikomanagements. Ein Kernstück dieser Beratung ist die Asset-Liability-Management-Studie (ALM-Studie). Im Gespräch erklären Dr. Timo Klett und Martin Möller, worauf es dabei ankommt – und weshalb sie die ALM-Studie nur als Startpunkt einer langfristigen Begleitung verstehen.

Herr Dr. Klett, ALM-Studien gehören für viele institutionelle Investoren längst zum festen Handwerkszeug. Was macht eine gute ALM-Studie heute aus?

Timo Klett: Eine gute ALM-Studie entwickelt interessenskonfliktfrei eine individuelle Kapitalanlagestrategie, die die Verpflichtungen des Investors mit hoher Wahrscheinlichkeit erfüllt und dabei Risiko, Bilanzstabilität und Renditeerfordernisse sauber austariert. Zentrale Fragen sind dabei: Welche Vermögensstruktur deckt die Verpflichtungen langfristig ab? Wie wirken sich Marktbewegungen auf Deckungsgrad, Risikotragfähigkeit und Dynamisierungsziele aus? Und wie viel Verlust kann eine Versorgungseinrichtung über welchen Zeitraum tatsächlich verkraften?

Martin Möller: Am Ende zählt, dass die Ergebnisse für das jeweilige Gremium nachvollziehbar und handlungsleitend sind. Dabei hilft unsere langjährige Erfahrung, komplexe Analysen vor Vorständen und Anlageausschüssen zu präsentieren und eine breite Umsetzungserfahrung aus zahlreichen Mandaten institutioneller Investoren.

Timo Klett: Für uns ist wichtig, dass wir Transparenz schaffen und den Führungsgremien eine umsetzbare und praxisorientierte Entscheidungsgrundlage erarbeiten. Der langfristige Erfolg der entwickelten Anlagestrategie hängt maßgeblich davon ab, dass sie in einen kontinuierlichen Kapitalanlage- und Risikomanagementprozess mit klaren und belastbaren Governance-Strukturen eingebettet ist.

Herr Möller, viele Häuser bieten ALM-Studien an. Was unterscheidet den Ansatz von HQ Trust?

Martin Möller: Natürlich arbeiten wir mit zukunftsgerichteten State-of-the-art-Modellen, welche die Komplexität der Kapitalmärkte möglichst exakt erfassen, die individuellen Vorgaben und Restriktionen berücksichtigen. Aber das reicht allein nicht aus. Entscheidend ist, dass wir spezialisierte Anlageklassenexperten einbinden, um individuelle Kapitalmarktannahmen herzuleiten – gerade bei komplexen Anlageklassen.

Timo Klett: Auch die modernsten Modelle liefern nur dann belastbare Ergebnisse, wenn die zugrunde liegenden Annahmen realistisch sind. Die Qualität einer ALM-Studie steht und fällt mit der Qualität der Rendite- und Risikoschätzer. Deshalb setzen wir auf individuelle Modellierung statt auf Standardschätzer und investieren viel Zeit darin, den einzelnen Kunden wirklich zu verstehen – seine Struktur, seine Strategie zur Umsetzung von Anlageklassen, seine spezifischen Restriktionen.

Was bedeutet das konkret?

Martin Möller: Lassen Sie mich das beispielhaft anhand der Immobilien erläutern. Immobilien sind eine sehr heterogene Anlageklasse, weshalb keine Standardschätzer verwendet werden sollten. Es müssen kundenindividuelle Parameter analysiert und in individuellen Rendite- und Risikoschätzern verarbeitet werden, Dazu zählen die Höhe des Fremdkapitaleinsatzes, die Gewichtung von Risikoklassen und Nutzungsarten sowie Annahmen über das Mietwachstum oder die Absicherung von Fremdwährungsrisiken oder ob über Fondsvehikel oder innerhalb des Direktbestandes investiert wird.

Risikoanalysen sind ein Pflichtbaustein jedes Asset-Liability-Managements. Warum sind realistische Szenarien gerade in Krisenzeiten so entscheidend?

Martin Möller: Weil sie die Risikotragfähigkeit erst wirklich sichtbar machen. Eine Ziel-Allokation nützt wenig, wenn sie in der Krise nicht durchgehalten werden kann. Wir sehen in der Praxis leider immer wieder, wie stark prozyklisches Verhalten zu suboptimalen Anlageergebnissen führt. Risikoassets werden etwa gerade dann verkauft, wenn sie günstig geworden sind. Realistische Stressszenarien helfen, diesem Reflex vorzubeugen: den langfristigen Anlagehorizont bewusst zu nutzen, Risikoprämien aufzubauen, wenn andere verkaufen, und nach Kursrückgängen aber stark gestiegenen Marktpreisen konsequent zu rebalancieren. Das sind keine neuen Erkenntnisse, aber sie werden in der Krise erfahrungsgemäß häufig vergessen.

Die ALM-Studie liegt vor. Was passiert danach?

Timo Klett: Dann beginnt aus unserer Sicht die eigentliche Arbeit. Wir unterstützen unsere Kunden bei der Umsetzung der abgeleiteten Anlagestrategie. Hier gibt es viel tun. Zur erfolgreichen Umsetzung ist die Implementierung belastbarer Governance-Strukturen von zentraler Bedeutung. Zudem muss die im Rahmen der ALM-Studie entwickelte strategische Asset Allokation in die laufenden Kapitalanlage- und Risikomanagementprozesse – inklusive klar definierter Anlagerichtlinien – integriert werden. Oftmals stellen wir fest, dass Kunden insbesondere bei den illiquiden Anlageklassen keine detaillierten Anlagestrategien definiert haben und sich vom Produktangebot leiten lassen. Wir unterstützen nicht nur bei der Strategiedefinition, sondern stellen auch sicher, dass die Strategie im Einklang mit den Annahmen der ALM-Studie steht.

Martin Möller: Hierbei erarbeiten wir gemeinsam mit unseren Kunden umsetzbare, praxisorientierte und kosteneffiziente Lösungsansätze, bei der eine Vielzahl von Aspekten festgelegt werden müssen. Wie genau das aussieht, hängt auch von den verfügbaren Ressourcen, den Anlageklassen und dem Anlagevolumen der jeweiligen Versorgungseinrichtung ab. Es gibt hier keine Standardlösung. Zentrale Fragen sind bspw. Eigenverwaltung oder Vergabe an spezialisierten Manager, welche Anlagevehikel kommen in Frage, in welchem Umfang sind Abweichungsrisiken akzeptabel …

Governance sowie Kapitalanlage- und Risikomanagementprozesse klingen nach viel Papier. Warum ist das trotzdem so wichtig?

Martin Möller: Für Altersvorsorgeeinrichtungen ist der nachhaltige Anlageerfolg weniger das Ergebnis einzelner Anlageentscheidungen als vielmehr das Resultat einer guten Governance. Klare Verantwortlichkeiten, strukturierte Kapitalanlage- und Risikomanagementprozesse sowie eine konsequente Verknüpfung von Verpflichtungen, Risikotragfähigkeit und Kapitalanlage schaffen die Grundlage dafür, den langfristigen Versorgungsauftrag auch in einem zunehmend komplexen Kapitalmarktumfeld zuverlässig zu erfüllen.

Was raten Sie einem Versorgungswerk, das jetzt über eine Überprüfung seiner Anlagestrategie nachdenkt?

Timo Klett: Die Anlagestrategie sollte im Rahmen einer ALM-Studie mit State-of-the-art-Modellen interessenskonfliktfrei, individuell und transparent festgelegt werden. Brüche bei Umsetzung der Strategie müssen unbedingt vermieden werden. Entscheidend ist die Einbettung in klar dokumentierte und transparente Strukturen und Prozesse, welche auch in einem sich ändernden Kapitalmarktumfeld und einer dynamischen Regulierung genügend Freiheitsgrade in der Umsetzung ermöglichen. Zudem muss man dafür offen sein, bestehende Strukturen zu hinterfragen und zu verändern. Portfolioklarheit ist von großer Bedeutung, weil nur ein transparentes und verständliches Portfolio wirksam gesteuert, überwacht und gegenüber den Gremien verantwortet werden kann.

Martin Möller: Und ganz praktisch: größtmögliche Transparenz. Je besser wir den Kunden, seine Strukturen und seine Verpflichtungen verstehen, desto passgenauer wird am Ende die Empfehlung. Und desto leichter lässt sie sich auch umsetzen.

Bitte beachten Sie: Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Die Darstellung ist keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite dienen lediglich der Information. 

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