23. Juli 20268 Minutes

Manche stecken den Kopf in den Sand

Die Zeiten des „Weiter so“ sind für viele kirchlichen Organisationen vorbei. Die Einrichtungen stehen vor einer Vielzahl an finanziellen Herausforderungen – von schrumpfenden Einnahmen über wachsende Verpflichtungen gegenüber Pensionären und nun kommt auch zusätzlicher Druck von politischer Seite. Sebastian Winters erklärt, wo die größten Herausforderungen liegen und wie professionelle Vermögenssteuerung helfen kann.

Herr Winters, kirchliche Organisationen gehören zu einem Ihrer Beratungsschwerpunkt. Wie groß ist der Druck, unter dem diese gerade stehen?

Die Herausforderungen sind real und sie sind vielfältig. Die anhaltenden Kirchenaustritte belasten die Einnahmen spürbar. Das ist kein abstraktes Risiko mehr, sondern eine Entwicklung, die sich in den Haushalten sukzessive niederschlägt. Für einige Einrichtungen könnte die Situation in den kommenden Jahren kippen. Gleichzeitig ist die Transparenz mittlerweile hoch: Jeder kann die Zahlen einsehen, jedem sind die Trends bekannt. Das erzeugt zusätzlichen Handlungsdruck.

Hinzu kommen politische Risiken für die Amtskirchen. Die AfD fordert in ihren Wahlprogrammen zum Teil die Abschaffung beziehungsweise Neuausrichtung von Staatsleistungen. Wie bewerten Sie das?

Man muss nüchtern sagen: Sollten Staatsleistungen wegfallen, geht es bei den kirchlichen Organisationen um sehr grundsätzliche, strukturelle Fragen, was Einnahmen, Ausgaben und das Setzen von Prioritäten angeht. Aber selbst ohne dieses Szenario gilt: Die Einnahmeseite steht unter Druck, und das wirkt sich auf viele Bereiche aus. Von der Finanzierung kirchlicher Schulen, das Betreiben von Pflege- oder Betreuungseinrichtungen und dem Unterhalt von Schulungszentren bis zur Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtungen.

Neben externen Faktoren gibt es auch interne Herausforderungen. Was beobachten Sie hier?

Die Ausgangslage ist sehr heterogen. Einige kirchliche Organisationen sind hervorragend aufgestellt und haben frühzeitig professionelle Strukturen aufgebaut. Andere reagieren jetzt und steuern gegen. Und wieder andere hoffen innerhalb ihrer gewachsenen Strukturen, dass es irgendwie gutgeht. Das Problem ist: Diese Hoffnung ist keine Strategie.

Sie sprechen von „gewachsenen Strukturen“. Was meinen Sie damit?

Das betrifft sowohl die Organisation als auch die Kapitalanlage. In der Vergangenheit wurde hier manches eher pragmatisch gelöst – mit dem Ergebnis, dass Vermögen heute nicht immer effizient und ausgewogen aufgestellt sind.

Sie meinen zu konservativ?

Dieser Gedanke liegt nahe. Es gibt durchaus sehr konservative Portfolios, die kaum Erträge bringen. Aber es gibt auch das Gegenteil: Mutige Positionen, die sich zu gut entwickelt haben.

Zu gut? Das klingt nach einem Luxusproblem.

Im ersten Moment schon. Aber denken Sie an eine Einrichtung, die vor 20 oder 25 Jahren eine Position in einer Tech-Aktie wie Microsoft oder Apple gekauft und seitdem nicht angefasst hat. Die Rendite ist phänomenal. Das Problem: Diese Position kann heute einen größeren Teil des Vermögens ausmachen. Nun will niemand die Gewinne realisieren.

Das ist psychologisch aber doch gut nachvollziehbar.

Ja, aber die Psychologie ist hier nur ein Aspekt. Ein Millionengewinn müsste auch der Öffentlichkeit erklärt werden. Das Schweigen ist also auch hier grundsätzlich nachvollziehbar. Aber die Unwucht im Portfolio birgt ein Klumpenrisiko, das mit den Anlagezielen einer kirchlichen Einrichtung und der ausgewogenen Aufstellung eines Vermögens nicht immer vereinbar ist.

Aber vermutlich gibt es ja nicht so viele Organisationen, die vor 20 Jahren Aktien von Big Tech gekauft haben.

Das ist richtig, es gibt sie aber. Und es sind auch nicht nur Technologieaktien. Das gleiche Prinzip gilt auch für stark gestiegene Positionen in Gold oder Silber.

Das heißt, dass das Risikomanagement vielleicht nicht ganz optimal aufgestellt ist. Dazu fällt mir noch ein anderes Beispiel ein: der Finanzskandal im Bistum Eichstätt.

Risikomanagement ist zentral. Der Fall Eichstätt zeigt, was passiert, wenn Projekte nicht ausreichend geprüft oder abgesichert sind. Das war sicher ein Extremfall, aber er hat viele wachgerüttelt. Die meisten kirchlichen Organisationen sind heute sensibler für Risiken und Governance-Themen. Aber es gibt weiterhin Nachholbedarf.

Wie sind die Kirchen in diesem Bereich auf der Personalseite aufgestellt?

Qualifizierte Finanzexpertinnen und -experten zu finden, fällt den Organisationen oft nicht leicht. Sie konkurrieren mit Arbeitgebern in der freien Wirtschaft, die oft höhere Gehälter bieten können. Und es gibt häufig zusätzliche Anforderungen, etwa die Zugehörigkeit zur Kirche. Das schränkt den Bewerberkreis zusätzlich ein. Gleichzeitig werden die Aufgaben komplexer und das Thema der persönlichen Haftung spielt eine größere Rolle.

Was bedeutet das konkret für kirchliche Entscheidungsträger?

Es geht zunächst um eine ehrliche Bestandsaufnahme. Dabei sind drei Fragen aus meiner Sicht entscheidend:

  1. Was sind meine Ausgaben in den nächsten Jahren und mit welchen Einnahmen kann ich rechnen?
  2. Sofern eine Deckungslücke besteht, welche Möglichkeiten habe ich, um diese zu schließen?
  3. Kann eine adjustierte Anlagestrategie hierzu einen Beitrag leisten?

Das klingt einfach.

Es ist aber anspruchsvoll. Denn es betrifft nicht nur die Kapitalanlage, sondern vor allem die Ausgabenseite. Und diese spiegelt ja die eigentliche Aufgabe von Kirche wider. Wer sich strukturell schlanker aufstellen muss, kann aber durch das Outsourcing von Leistungen seine Kosten senken und gleichzeitig die Professionalität erhöhen. Das ist gerade dann relevant, wenn ohnehin gespart werden muss. Hier kann ein Berater wie HQ Trust unterstützen: Wir bringen Expertise, Skaleneffekte und professionelle Strukturen ein, von der Anlagestrategie über die Auswahl der richtigen Geschäftspartner bis zur Kontrolle und zum Reporting. Im angelsächsischen Raum ist das Outsourcing der Investmentverantwortung bei institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder großen Stiftungen bereits seit vielen Jahren verbreitet. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Ansatz auch für kirchliche Einrichtungen in Deutschland an Attraktivität gewinnt.

Was raten Sie kirchlichen Organisationen, die jetzt handeln wollen?

Ein offenes Gespräch lohnt sich immer. Viele Organisationen wissen, dass sie etwas tun müssen, aber nicht genau, wo sie anfangen sollen. Wir begleiten bereits einige Einrichtungen aus dem kirchlichen Umfeld – und sehen, wie viel Potenzial in einer professionellen Strukturierung und Steuerung von Vermögen steckt. Wichtig ist: Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft aktiv zu gestalten.

Immerhin versuchen manche, auf die finanziellen Zwänge kreativ zu reagieren. Der Kölner Dom etwa verlangt seit dem 1. Juli Eintritt.

lacht Ja, das ist ein durchaus neuartiger Ansatz in Deutschland. Aber ich glaube, der Kreis der Kirchen, die Eintrittsgeld verlangen können, ist sehr überschaubar. Die meisten Gemeinden werden nicht damit anfangen, Tickets für die Besichtigung ihrer Kirche zu verkaufen. Aber es zeigt: Man denkt über neue Wege nach.

Bitte beachten Sie: Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Die Darstellung ist keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite dienen lediglich der Information. 

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