
Wie Infrastruktur-Investments auf Krisen reagieren

Kriege, Handelskonflikte und politische Spannungen dominieren regelmäßig die Schlagzeilen. Oft geht es in diesem Zusammenhang um Stromnetze, Pipelines und Häfen. Für viele Anleger liegt deshalb die Vermutung nahe, dass derartige Risiken auch die Renditen von Infrastrukturinvestments erheblich belasten müssten. Die Historie zeichnet jedoch ein anderes Bild: Selbst einschneidende geopolitische Ereignisse hinterließen bei globalen Infrastrukturinvestitionen nur vorübergehende Spuren.
Stand: Q2 2026; Quelle: MSCI, HQ Trust Research.
Wie stark reagieren Infrastrukturinvestments auf Krisen? Dieser Frage sind Michel Caspary und Friedrich Pressler, Infrastrukturexperten beim Family Office HQ Trust, nachgegangen. Sie haben die rollierenden jährlichen Renditen globaler Infrastrukturanlagen seit 2009 bei negativen wirtschaftlichen und geopolitischen Ereignissen ermittelt.
Auf der einen Seite stehen wirtschaftliche Schocks wie die Finanzkrise, die europäische Schuldenkrise, oder der Corona-Einbruch. Auf der anderen Seite stehen geopolitische Zäsuren wie die Annexion der Krim, der Handelskrieg zwischen den USA und China, der russische Angriff auf die Ukraine oder der Iran-Konflikt. Ziel der Analyse war es herauszufinden, wie deutlich und wie lange die Renditen auf die jeweiligen Ereignisse reagiert haben.
Friedrich Pressler, Investment Manager Infrastruktur bei HQ Trust, über die wichtigsten Ergebnisse
- „Die historische Entwicklung globaler Infrastrukturrenditen zeigt, dass geopolitische Ereignisse kurzfristige Marktreaktionen auslösen können. Deren Einfluss auf die langfristige Rendite bleibt jedoch begrenzt.“
- „Weder die Krim-Annexion noch der russische Angriff auf die Ukraine führten zu nachhaltigen Einbrüchen globaler Infrastrukturrenditen. Das unterstreicht den defensiven Charakter der Anlageklasse.“
- „Größere Auswirkungen gab es nur in Rezessionsphasen: Während der Finanzkrise fiel die Rendite globaler Infrastruktur auf nahezu null. Im Corona-Schock 2020 rutschte sie sogar leicht ins Minus. Trotzdem erzielten Investoren auch in dieser Zeit schnell wieder positive Renditen.”
- „Geopolitische Ereignisse haben keine vergleichbaren Spuren hinterlassen. Zum Zeitpunkt der Krim-Annexion 2014 gab es zwar einen kurzen Rückgang. Gut ein Jahr später erreichte die Rendite den höchsten Wert im gesamten Betrachtungszeitraum.”
Michel Caspary, Co-Leiter Infrastruktur bei HQ Trust, ordnet die Ergebnisse ein und blickt nach vorne
- „Die Analyse bestätigt eine der zentralen Stärken von Infrastrukturinvestments: Selbst in angespannten Phasen erwies sich die Anlageklasse historisch als bemerkenswert stabil. Die geringe Anfälligkeit für geopolitische Schocks macht Infrastruktur zu einem verlässlichen Baustein in einer strategischen Portfolio-Allokation“.
- „Die Renditeentwicklung hängt viel stärker von fundamentalen Faktoren wie Regulierung, Nachfrage nach essenziellen Dienstleistungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab als von geopolitischen Schlagzeilen.“
- „Der langfristige Kapitalzufluss in die Anlageklasse dürfte anhalten. Viele Anleger suchen gezielt nach stabilen Cashflows und Inflationsschutz: Gerade in einem inflationären Umfeld bleiben Infrastrukturinvestitionen attraktiv. Viele Geschäftsmodelle verfügen über Mechanismen, die Preissteigerungen automatisch oder zumindest teilweise an die Nutzer weitergeben können.“
- „Gleichzeitig beobachten wir einen ausgeprägten Flight to Quality. Ein immer größerer Teil des Kapitals fließt zu etablierten Fondsmanagern mit langem Leistungsausweis und tiefem Marktzugang.“
