28. September 20264 Minutes

Warum steigende Zinsen kein Gift für Aktien sind

Wenn die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen steigt, wird an den Märkten schnell von Gegenwind gesprochen. Schließlich verteuerten höhere Zinsen die Kredite, drückten auf Bewertungen und machten Anleihen als Alternative attraktiver. Kurzum: Steigende Zinsen seien Gift für die Aktienmärkte. Die Logik klingt plausibel. Doch sie hat wenig mit der Realität zu tun, zeigt eine Analyse von Sebastian Dörr.

Zeitraum: 02.01.1978 – 22.09.2026; Quelle : LSEG, HQ Trust Research.

In seiner Untersuchung vergleicht der Kapitalmarktstratege vom Family Office HQ Trust die annualisierte Aktienperformance in Phasen steigender zehnjähriger US-Zinsen mit dem Gesamtzeitraum. Um herauszufinden, welche Branchen in diesen Zeiträumen besonders profitieren und welche zurückbleiben, wertete Sebastian Dörr zudem die Entwicklung der elf Datastream-US-Sektorindizes in zehn historischen Phasen steigender Zinsen seit 1978 aus.

Entscheidend war dabei nicht die absolute Rendite der einzelnen Sektoren, sondern ihre Entwicklung relativ zum breiten US-Aktienmarkt. In einem weiteren Schritt untersuchte der Experte, wie sich dieselben Sektoren in den drei Monaten verhielten, nachdem die Zinsen ihren Höhepunkt erreicht hatten.

  • „Steigende Zinsen bedeuten nicht automatisch Gegenwind für Aktien. Das Gegenteil ist der Fall: In neun von zehn untersuchten Zinsanstiegsphasen erzielte der US-Markt positive Renditen.“
  • „Die durchschnittliche Wertentwicklung lag mit 18,3 Prozent deutlich über dem langfristigen Mittel von 12,2 Prozent.“
  • „Technologie war der klare Gewinner steigender Zinsen. Der Sektor schlug den Gesamtmarkt in acht von zehn Zinsanstiegsphasen und erzielte dabei eine durchschnittliche Outperformance von 13,2 Prozent.
  • „Auch Industrieaktien profitierten überdurchschnittlich. Der Sektor übertraf den US-Markt ebenfalls in acht von zehn Phasen. Im Schnitt betrug die relative Mehrrendite immerhin 3,8 Prozent.“
  • „Versorger trafen steigende Zinsen besonders hart. In neun von zehn Zinsanstiegsphasen entwickelte sich der Sektor schlechter als der Gesamtmarkt. Die durchschnittliche Underperformance lag bei 10,7 Prozent.“

Am Zinsgipfel drehte sich das Bild

  • „In den drei Monaten nach dem Ende eines Zinsanstiegs gehörten Versorger in acht von zehn Fällen zu den Gewinnern und erzielten durchschnittlich eine Outperformance von 4,5 Prozent.“
  • „Nun zählen rohstoffnahe Werte wie Energie oder Materialien zu den Verlierern. Auch Technologie tat sich schwerer: Vier positiven Phasen standen sechs Phasen mit einer relativen Underperformance gegenüber.“

Was die Analyse für Anlegerinnen und Anleger bedeutet

  • „Wie immer gilt: Die Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft. Aber steigende Zinsen sind kein Grund, sich pauschal aus Aktien zurückzuziehen.“
  • „Der Blick in die Historie zeigt, dass es entscheidender war, wo man im Zinszyklus steht: Während der Anstiegsphase lohnte sich oft ein Blick auf wachstumsstarke, zyklische Sektoren wie Technologie oder Industrie.“
  • „War der Zinsgipfel erreicht, fuhren Investoren mit defensiveren, zinssensitiven Sektoren wie Versorger, Immobilien oder Finanzwerten deutlich besser.“

Bitte beachten Sie: Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Die Darstellung ist keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite dienen lediglich der Information. 

Newsletter

Mit dem Newsletter von HQ Trust erhalten Sie jeden Monat wichtige Informationen zu den Kapitalmärkten und erfahren Wissenswertes rund um die Themenbereiche Family Office, Alternative Investments und Vermögensverwaltung.

Bad Homburg
Am Pilgerrain 17
61352 Bad Homburg v. d. Höhe

Ihr Weg zu uns

+49 6172 402 850
kontakt@hqtrust.de

Düsseldorf
Kaistraße 8
40221 Düsseldorf

Ihr Weg zu uns

+49 211 311 979 0
kontakt@hqtrust.de