
Venture Capital: Ein Deal sprengt alle Rekorde

Auf den ersten Blick erlebt Venture Capital derzeit einen außergewöhnlichen Exit-Boom: Im laufenden Jahr erzielte die Branche bereits rund 2,5 Billionen US-Dollar an Erlösen. Wer genauer hinschaut, sieht allerdings, dass der Rekord zu großen Teilen auf ein Unternehmen zurückgeht. Kay Gallus erklärt die Hintergründe und sagt, worauf Investoren bei Venture Capital achten sollten.
Quelle: HQ Trust, Pitchbook.
Für seine Analyse wertete der Co-Leiter Private Equity beim Family Office HQ Trust die Zusammensetzung der Venture Capital Exits seit dem Jahr 2016 aus. Auf Basis von Pitchbook-Daten vergleicht Kay Gallus das jährliche Exit-Volumen mit der Zahl der Exits. So lässt sich erkennen, ob ein starkes Jahr auf vielen Transaktionen beruht oder auf wenigen außergewöhnlich großen Verkäufen und Börsengängen.
- „Im bisherigen Jahresverlauf haben Venture Capital Fonds fast USD 2,5 Billionen an Erlösen erwirtschaftet. Damit ist das Jahr 2026 bereits jetzt ein neues Rekordjahr für die Anlageklasse.“
- „Allerdings war die Anzahl der Exits mit knapp 1600 sogar niedriger als im ersten Halbjahr 2025. Mehr als 80 % des bisherigen Jahresvolumens sind auf ein Unternehmen zurückzuführen: SpaceX.“
- „Rund 250 Mrd. US-Dollar wurden an Venture Capital Fonds durch die Akquisition von xAI im ersten Quartal zurückgeführt. Weitere USD 1,7 Bio. folgten dann im Zuge des Börsengangs von SpaceX im zweiten Quartal.“
- „Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren lag das globale Exit Volumen im Schnitt bei 518 Mrd. US-Dollar.“
Was Investoren aus der Analyse lernen können
- „Das erste Halbjahr 2026 zeigt, wie Venture Capital funktioniert. Ein einziger Unternehmensverkauf kann ausreichen, damit Rekorde geknackt werden.“
- „Venture Capital ist für uns ein Zugangsthema: Da nur wenige Firmen den Großteil der Renditen liefern, muss man Zugang zu den Managern haben, die diese Firmen finden und hierzu in frühen Finanzierungsrunden Zugang haben.“
- „Mit Anthropic und OpenAI sind bereits zwei weitere großkalibrige Unternehmen auf dem Weg zu einem Börsengang, in denen viele Venture Capital Fonds investiert haben.“
Worauf Investoren bei Venture Capital achten sollten
- „Wir sind überzeugt, dass es im Venture Capital-Bereich so wichtig wie in fast keinem anderen Bereich ist, Zugang zu den besten Managern und damit zu den besten Unternehmen zu haben.“
- „Die Renditeverteilung folgt einer Power-Law-Verteilung. Das bedeutet, dass eine sehr kleine Anzahl von Investitionen – Unternehmen wie auch Fonds – den Großteil der Rendite erwirtschaftet. Der Rest verliert zum Teil erheblich an Wert.“
- „Im Venture Capital ist nachweisbar, dass Manager, die in der Vergangenheit erfolgreich waren, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit ihren nächsten Fonds erfolgreich sein werden. Wir nennen das statistisch signifikante Performance-Persistenz.“
- „Die Anlageklasse sollte strukturell mit einem langen Anlagehorizont berücksichtigt werden, da auf Hochphasen mit Rekordvolumina auch wieder lange Dürrephasen folgen können. Anleger sollten sich überlegen, ob und in welcher Form sowie mit welchem Portfolioanteil sie partizipieren möchten.“
