22. Mai 20265 Minutes

Portfolio Health Checks: Auf was kommt es wirklich an?

Gestiegene Zinsen, geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche – institutionelle Anleger stehen vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen. Gleichzeitig sorgen Schlagzeilen über Abschreibungen bei Versorgungswerken für Verunsicherung. Wie Investoren mit der Situation umgehen sollten, darüber sprechen Dr. Timo Klett und Martin Möller, Co-Heads des Bereichs Institutional.

Herr Dr. Klett, Herr Möller, die Schlagzeilen über Abschreibungen bei Versorgungswerken sorgen für Unruhe in vielen Gremien. Wie erleben Sie die Stimmung?

Martin Möller: Wir sind in einer Phase, in der mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig wirken: Geopolitische Risiken, Unsicherheiten rund um Inflation und Zinsen und gestiegene Finanzierungskosten – und in dem ein oder anderen Fall auch handwerkliche Fehler. Zudem sind wir in einem technologischen Umbruch, der ganze Branchen neu sortiert. Jeder Punkt für sich erzeugt Druck und führt dazu, dass Gremien ihre Portfolios stärker hinterfragen.

Timo Klett: Hinzu kommen die von Ihnen angesprochenen Medienberichte. Wer etwa als Ehrenamtlicher in einem Anlageausschuss sitzt, fragt sich vollkommen zu Recht: Haben wir ähnliche Risiken in unserem Portfolio? Das ist keine Hysterie, sondern gesundes Verantwortungsbewusstsein.

Nach der Diskussion um die Immobilien-Investments und -Finanzierungen sorgen sich viele Anleger auch um die Werthaltigkeit ihrer Investments im Bereich Private Debt.

Timo Klett: In den vergangenen Wochen und Monaten wurde in den Medien vermehrt kritisch über Private-Debt-Investments berichtet. Ein Teil der Berichterstattung zu Risiken im Direct Lending ist darauf zurückzuführen, dass unterschiedliche Kreditsegmente nicht klar voneinander abgegrenzt werden und die Funktionsweise der Anlageklasse häufig missverstanden wird. Viele der diskutierten Risiken betreffen Bereiche außerhalb des klassischen Senior Secured Corporate Lending-Marktes, die Fondsstruktur oder die gesamte Ökonomie, wie beispielsweise der technologische Umbruch durch künstliche Intelligenz.

Was ist für Entscheider vor diesem Hintergrund von zentraler Bedeutung? Ist ein Portfolio Health Check mit einer Art von Gütesiegel für jedes Einzelinvestments sinnvoll?

Martin Möller: Regelmäßige Portfolio Health Checks sind unseres Erachtens sehr sinnvoll, aber ein pauschales Gütesiegel jedes Einzelinvestments wäre unseriös. Ein institutionelles Portfolio besteht aus einer Vielzahl einzelner Fonds, die wiederum in viele Einzelanlagen investiert sind. Niemand kann mit vertretbarem Aufwand für jedes einzelne Asset eine tagesaktuelle Werthaltigkeit garantieren. Das wäre eine Scheinsicherheit.

Timo Klett: Von viel größerer Bedeutung ist, dass Kapitalanlagestruktur, die Prozesse, die Diversifikationspotenziale und die Risikotreiber eines Portfolios analysiert werden. Stimmt die Gesamtallokation? Muss die Umsetzungsstrategie in einer Anlageklasse angepasst werden? Werden die regulatorischen Quoten eingehalten? Gibt es Klumpenrisiken – zu viel in einem Vermögenswert, einem Anlagesegment, einem Markt, einer Währung? Das sind die Stellschrauben, an denen man drehen kann und sollte. Wenn die Prozesse klar definiert sind und stimmen, verlieren in einem breit diversifizierten Portfolio einzelne Investments, die man im Nachhinein lieber nicht getätigt hätten, an Bedeutung. Dennoch bleibt die Prüfung einzelner Investitionen wichtig. Sie sollte allerdings Teil eines stringenten Investitions- und Risikomanagementprozess sein.

Letztes Thema: Geopolitik. Naher Osten, Ukraine, US-Handelspolitik. Wie sollen institutionelle Anleger damit umgehen?

Timo Klett: Niemand kann mit Gewissheit voraussagen, wie sich die geopolitischen Konflikte entwickeln. Aber man kann das Portfolio so aufstellen, dass man in einem breiten Spektrum von Szenarien handlungsfähig bleibt – und in keinem einzelnen Szenario existenziell getroffen wird.

Martin Möller: Das klingt defensiver als es ist. Es geht nicht darum, Risiken zu vermeiden, sondern sie zu verstehen und bewusst einzugehen. Idealerweise wurden Risiken ausführlich im Rahmen von Asset-Liability-Management-Studien beleuchtet, so dass man im Krisenfall gar nicht reagieren muss oder sogar antizyklisch agieren kann.

Was raten Sie Gremienvertretern, die jetzt das Gespräch mit ihrem Berater suchen?

Martin Möller: Stellen Sie die richtigen Fragen. Sind unsere Prozesse klar definiert? Stimmt die Strategie noch? Verstehen wir unser Portfolio? Wo könnten wir in verschiedenen Szenarien unter Druck geraten?“

Timo Klett: Und suchen Sie sich einen Partner, der diese Fragen mit Ihnen ehrlich diskutiert – nicht jemanden, der Ihnen sagt, was Sie hören wollen.

Bitte beachten Sie: Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Die Darstellung ist keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite dienen lediglich der Information. 

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