
Die wichtigsten Fragen zu Perpetual Capital- und Evergreen Fonds im Bereich Private Debt
Was sind Perpetual Capital und Evergreen Fonds im Bereich Private Debt? Wie unterscheiden sie sich von den geschlossenen Fonds – und wie lassen sich diese Fonds als strategisches Instrument für den Portfolioaufbau nutzen? Nedelina Lazarova erklärt alles Wissenswerte und sagt auch, für welche Investoren es sinnvoll sein kann, auf Evergreen Fonds zu setzen.

Was sind Perpetual Capital- und Evergreen Fonds im Bereich Private Debt?
Ein Private Debt Evergreen Fonds ist ein Investmentfonds ohne feste Laufzeit, der typischerweise Kredite an Unternehmen außerhalb des Kapitalmarkts vergibt. Diese Fonds können fortlaufend neue Mittel aufnehmen und in verschiedene Fremdkapitalinstrumente investieren. Rückgaben von Fondsanteilen durch Anleger sind – unter bestimmten Bedingungen – in festgelegten Intervallen möglich.
In den USA existieren solche Produkte bereits seit Jahrzehnten. Während diese Strukturen dort weiterwachsen, investieren Anleger zunehmend in verschiedene Perpetual-Capital-Vehikel wie etwa Interval Funds oder Business Development Companies (sogenannte „BDCs“). In Europa wurden in den letzten Jahren vermehrt Fonds aufgelegt, die Privatanlegern den Zugang zu Private Markets ermöglichen.
Die Vehikel unterscheiden sich hinsichtlich Zeichnungs- und Rückgabemöglichkeiten sowie Liquiditätsregelungen. Die Varianten reichen von offenen Strukturen über hybride Konzepte – die Merkmale traditioneller geschlossener und offener Fonds vereinen – bis hin zu sogenannten Vintage-Strukturen. Letztere orientieren sich stark an den Prinzipien geschlossener Fonds, verfolgen jedoch das Ziel, Anleger nahtlos von einem Fondszyklus in den nächsten zu überführen, ohne dass ein Neuinvestment erforderlich ist.
Es gibt Produkte, die einen schrittweisen Portfolioaufbau ermöglichen, ähnlich wie bei geschlossenen Fonds, sowie solche, bei denen der Investor sofortigen Zugang zum bestehenden Portfolio erhält. Dadurch können Anleger flexible Alternative-Investments-Portfolios aufbauen, die entweder ein schnelleren Portfolioaufbau, im Fachjargon Ramp-up genannt, oder flexible Rückzahlungsoptionen bieten. Häufig besteht zudem die Wahl zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Anteilsklassen.
Wie unterscheiden sich diese Strukturen von den geschlossenen Fonds?
Geschlossene Fonds (auch „closed-ended“ oder „Drawdown-Fonds“ genannt) bauen ihren Nettovermögenswert (Net Asset Value, NAV) während der Investitionsphase sukzessive auf und führen diesen in der Realisierungsphase wieder zurück. Investoren verpflichten sich dabei zu einem festen Kapitalbetrag („Commitment“), der im Laufe der Investitionsphase schrittweise über sogenannte „Capital Calls“ abgerufen und investiert wird. Nach Abschluss der Investitionsphase wird das Portfolio in der Regel über mehrere Jahre gehalten, wobei Zinserträge an die Investoren ausgeschüttet werden. In der Realisierungsphase wird das investierte Kapital nach und nach zurückgeführt, wodurch der NAV des Fonds allmählich sinkt.
Im Gegensatz dazu verfügen Perpetual-Capital-Fondsvehikel über keine feste Laufzeit und ermöglichen eine kontinuierliche Kapitalaufnahme sowie Anteilsrückgaben. Investoren können somit zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den Fonds ein- oder aussteigen. Das Fondsvermögen bleibt dabei dauerhaft investiert.
Es ist jedoch zu beachten, dass Perpetual-Capital-Fonds in der Regel eine geringere Renditeerwartung als vergleichbare geschlossene Fonds haben. Dies liegt häufig an der Zusammensetzung des Portfolios: Ein Teil der Mittel wird in liquide Assets wie Hochzinsanleihen, breit syndizierte Bankkredite oder Cash investiert, um Rückgaben von Anteilen bedienen zu können. Dadurch verzichten Anleger auf einen Teil der Rendite, erhalten jedoch mehr Liquidität und Flexibilität im Vergleich zu geschlossenen Fonds.
Wie lassen sich diese Fonds als strategisches Instrument für den Portfolioaufbau nutzen?
Im stark wachsendem Private Debt Bereich, werden semiliquide und Evergreen-Strukturen voraussichtlich eine immer stärkere Rolle einnehmen. Perpetual Capital Fonds können im Portfolioaufbau als strategisches Tool eigesetzt werden. Mithilfe von solchen Produkten können Investoren schnell eine hohe Allokation zur Anlageklasse Private Debt bekommen und ihre Kapitalbindung effizient steuern. Auf Wunsch des Investors kann das Portfolio zu einem späteren Zeitpunkt teilweise oder gänzlich schrittweise in geschlossene Fonds umgeschichtet werden. Das aktuelle Angebot umfasst zahlreiche Produkte, die sowohl unterschiedliche Anlageziele als auch verschiedene Risikopräferenzen bedienen.
Da allerdings die zugrundeliegenden Investments größtenteils illiquide sind, ist zu beachten, dass in bestimmten Marktphasen sogenannte Gating-Mechanismen greifen können, bei denen vorübergehend aus semiliquiden Investments illiquide werden können und die Liquidität doch nicht kurzfristig verfügbar ist. Diese Vehikel wären aus Sicht eines Investors als „geschlossene Fonds mit Liquiditätsoption“ zu betrachten. Das heißt, Investoren können bestimmen, wie lange sie Ihr Kapital in dem Fonds gebunden haben möchten und in regelmäßigen Abständen Ihre Allokation reduzieren oder erhöhen.
Für welche Investoren kann es sinnvoll sein, auf Evergreen Fonds zu setzen?
Das Angebot an Perpetual-Capital-Fonds wächst stetig – sowohl institutionelle Investoren als auch Privatanleger können in solche Fonds investieren und erhalten flexiblen Zugang zu Private Markets. Beide Investorengruppen können diese Fonds sinnvoll zum Aufbau eines Alternativen-Portfolios nutzen. Der mit einem Investment verbundene operative Aufwand ist im Vergleich zu geschlossenen Fonds deutlich geringer. Während die von geschlossenen Fonds geforderten Mindestzeichnungsbeträge für institutionelle Investoren angemessen sind, stellen sie für Privatanleger oft eine Hürde dar – nur wenige können mehrere Millionen Euro pro Fonds investieren.
Dank neuer Entwicklungen können nun auch kleinere Investoren mit begrenztem Vermögen aktiv am Markt für Alternative Investments partizipieren. Neben den institutionellen Anteilsklassen der Evergreen-Fonds wurden auch auf Privatkunden ausgerichtete Anteilsklassen entwickelt. Für Privatanleger wurden zudem Produkte konzipiert, die mehrere Anlageklassen – etwa Private Equity, Private Debt und Infrastruktur – gleichzeitig abdecken.
Im Vergleich zu geschlossenen Fonds ist das Angebot an Perpetual-Capital-Produkten jedoch noch deutlich geringer, insbesondere in Europa, wo es in einigen Bereichen stark limitiert ist. Es ist zu erwarten, dass das Angebot an Evergreen-Fonds und anderen semi-liquiden Strukturen weiter steigen und eine zunehmend relevante Rolle in der Portfoliokonstruktion von Investoren einnehmen wird.
Was sind eventuelle Risiken/Nachteile von Perpetual Capital Fonds?
Wie bei jeder anderen Anlageklasse auch gibt es bei Perpetual-Capital-Fonds einige Risiken und Eigenschaften, die von Investoren berücksichtigt werden sollten.
Wichtig zu verstehen ist zum einen, dass Perpetual-Capital-Fonds nicht als offene, stets liquide Fonds behandelt werden sollten, sondern aufgrund der illiquiden Assets vielmehr als geschlossene Fonds mit zusätzlicher Liquiditätsoption zu betrachten sind. Privatinvestoren sollte auch klar sein, dass der Zugang zu Perpetual-Capital-Fonds immer noch schwierig ist und in Deutschland oft nur über Intermediäre oder wenige Banken erfolgt.
Was das Thema Kosten und Gebührenbelastung betrifft, so sollten sich Investoren weiter bewusst sein, dass Perpetual-Capital-Fonds nicht unbedingt teurer sind als klassische geschlossene Fonds; teilweise sind sie sogar günstiger. Es sind allerdings die Kosten auf Ebene der Intermediäre zu berücksichtigen. Des Weiteren sollen sich Privatkunden über die steuerliche Behandlung der Produkte informieren.
Investoren müssen zudem auf das Thema Bewertungen bei Perpetual-Capital-Fonds hingewiesen werden. Die sind, ähnlich wie bei Closed-End-Fonds, oft intransparent. Sollten potenzielle Verlustrisiken durch den Manager nicht erkannt und in der Bewertung nicht berücksichtigt werden, so kann die Basis für die Berechnung der Verwaltungsgebühr unberechtigt hoch sein. Performance-Gebühren werden bei semi-liquiden Produkten oft monatlich berechnet – im Gegensatz zu den geschlossenen Fonds, bei denen die Gebühren erst später im Lebenszyklus des Fonds anfallen. Es besteht daher das Risiko, dass auch hier zu hohe Performance-Vergütungen belastet werden. Die Investoren sollten sich in Detail über die Kostenstruktur der Produkte informieren.
Abschließend soll gesagt sein, dass Investitionen grundsätzlich mit Risiken verbunden sind und dass die oben genannten Punkte keine vollständige Risikoauflistung darstellen. Die aufgeführten Punkte sollen demnach nicht als Anlageberatung verstanden werden.