
„Bei Private Equity ist es wichtig zu verstehen, was man im Portfolio hat“

Im Bereich Private Equity hat die Produktvielfalt stark zugenommen. Das macht es für Investoren schwieriger denn je, die Spreu vom Weizen zu trennen. Während manche Produkte sinnvolle Lösungen bieten, verwässern andere den Markt mit mittelmäßigen Konzepten oder überteuerten Strukturen. Kay Gallus und Benedikt Pfeuffer erklären, worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten.
Herr Gallus, Herr Pfeuffer, was sollten Anleger unbedingt wissen, wenn sie über Private Equity Investments nachdenken?
„Es ist sehr wichtig zu verstehen, was man im Portfolio hat: Investments in Private Equity sind Investments in Eigenkapital. Mit den großen Chancen gehen auch entsprechende Risiken einher, die mitunter auch zum Totalverlust führen können. Einigen Risiken kann man durch Diversifikation wirksam entgegenwirken, beispielsweise über Anlagen in verschiedenen Regionen, Sektoren oder Währungen. Hinzu kommt das Thema Illiquidität: Investoren sollten sich gut überlegen, wie lange sie auf das Kapital verzichten können oder ob sie es vielleicht doch benötigen.“
Wie viel Prozent des Gesamtvermögens sollte Private Equity maximal einnehmen?
„Eine Pauschalwert gibt es nicht. Das hängt sehr stark davon ab, wie hoch die Risiko- und die sogenannte Illiquiditätstragfähigkeit des Einzelnen sind. Große US-Universitätsstiftungen legen in Bereichen wie Private Equity und Venture zum Teil 30 bis 50 % ihrer Gelder an. Solche Quoten dürften sehr weit von den Werten der Privatanleger entfernt sein. Im konkreten Fall ist es daher wichtig, das Thema Private Equity Investitionen mit einem spezialisierten Partner im Portfoliokontext zu erarbeiten. Unsere Kunden investieren in der Regel zwischen 10 % und 30 % in Private Equity.“
Worauf gilt es zu achten, wenn sich Anleger mit den verschiedenen Angeboten beschäftigen?
„Die Versuchung ist groß, bei Private Equity Investitionen auf Lösungen zurückzugreifen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Produkte, die Investoren mit kleineren Anlagebeträgen zur Verfügung gestellt werden – oft liquider oder semiliquider Natur, um das Illiquiditätsthema abzuräumen und die Kapitalbindung planbarer zu gestalten. Die Renditen der Produkte, die auch Kleinanlegern offenstehen, fallen in aller Regel niedriger als bei Produkten aus, bei denen das nicht der Fall ist.“
Woran liegt das?
„Vor allem an der Struktur der Produkte, die eine illiquide Anlageklassen liquide machen möchten. Im Klartext heißt das: Wenn es möglich sein soll, dass Investoren beispielsweise nach einem Quartal ihr Kapital zurückbekommen können, muss der Anbieter neben den Private Equity Investments auch liquidere Anlagen halten. Das verwässert dann aber die Rendite. Hinzu kommt, dass Retail-Produkte oft eine höhere Gebührenbelastung haben als Profiprodukte.“
Zum Teil werden die neuen Produkte mit Zielrenditen von 12 bis 14 % beworben. Ist das realistisch?
„Die historischen Daten zeigen, dass solche Renditen in der Vergangenheit durchaus realistisch waren. Allerdings sollten Anleger nicht vergessen, dass es sich hierbei um Durchschnittswerte handelt und die Zahlen von Jahr zu Jahr erheblich voneinander abweichen konnten. Zudem rechnen wir für die nächsten Jahre mit einem Rückgang der Renditen: In der Vergangenheit hat Private Equity oft von der Ausnutzung von Ineffizienzen profitiert. Doch die Märkte werden immer professioneller und effizienter.“
„Und es hängt stark vom Produkt ab. Man kann sich hier auch am Prinzip Angebot und Nachfrage orientieren. Produkte, die vor allem für Anleger mit kleineren Investitionsvolumina aufgelegt werden, funktionieren häufig nur über Skaleneffekte. Dieser Fakt zwingt Anbieter dazu, viel Geld einzusammeln. Dieses wird dann in der Regel in einfach umsetzbaren und zugänglichen Transaktionen investiert. Diese weisen in der Regel ein weniger attraktives Risiko-Rendite-Profil auf, da es zu einer Kapitalkonzentration auf diesen Transaktionen kommt.“
Wie lässt sich dieses Dilemma lösen?
„Die Zusammenarbeit mit etablierten Partnern ermöglicht es, Teile des Marktes zu bespielen, die sich diesem Wettbewerb bestmöglich entziehen können. Hierbei ist der Zugang zu renommierten und hoch spezialisierten Managern entscheidend. Diese verfügen um ein erhebliches Know-How in den von Ihnen abgedeckten Zielmärkten und haben so in der Regel Zugang zu den attraktivsten Transaktionen. Ein wesentliches Gütekriterium für uns ist neben dem Track Record vor allem die Erfahrung des agierenden Teams.“
Zusammenfassend, für welche Anlegertypen sind PE-Produkte geeignet?
„Die Anlageklasse zählt zu den renditestärksten, in die man investieren kann. Allerdings sollten sich nur Anleger engagieren, die sich ausführlich mit der Materie beschäftigt haben und sich der Konsequenzen bewusst sind. Insbesondere die Illiquidität der Anlageform sollte hierbei verstanden und bedacht werden. Grundsätzlich helfen ein möglichst langer Anlagehorizont und ein großes Vermögen, mit dem das Kapital zusätzlich gestreut werden kann.“
„Zudem sollten Anleger zusammen mit einem Partner investieren, der sie hierbei begleitet und ihr komplettes Portfolio im Auge behält. Die konkrete Umsetzung kann beispielswese über einen Vintage-Fonds oder ein herkömmliches PE-Programm erfolgen. Sobald man über die nötigen Mindestanlagebeträge verfügt, einen professionellen Portfolioaufbau mit einem spezialisierten Partner umzusetzen, sollte dieser Weg gegangen werden.“