12. Januar 20264 Minutes

Der Mythos vom automatischen Inflationsschutz

Inflationsgebundene Anleihen versprechen Schutz vor steigenden Preisen. Gelingt ihnen das auch? Ein Blick auf die vergangenen 24 Jahre zeigt: Im Mittel wirkt der Schutz. Aber nicht unbedingt dann, wenn Anleger es erwarten. Was Investoren wissen und worauf sie achten sollten, erklärt Sebastian Dörr.

*Erwartungsprognosen der Federal Reserve Bank of Cleveland für die kommenden 12 Monate. Zeitraum: Dez 2001 – Dez 2025 | Quelle: LSEG, HQ Trust Research.

Der Kapitalmarktanalyst von HQ Trust hat untersucht, wie sich inflationsgebundene Anleihen im Vergleich zu traditionellen Staatsanleihen vergleichbarer Laufzeit tatsächlich schlagen. Für die Analyse nutzte er die Inflationserwartungen der Federal Reserve Bank of Cleveland für jeweils die kommenden zwölf Monate und verglich die relative Performance beider Anleihetypen über einen Zeitraum von Dezember 2001 bis Dezember 2025.

Die Analyse gruppiert die Ergebnisse nach drei Szenarien, in denen die Inflation unter, im Rahmen und über den Erwartungen lag – jeweils aufgeteilt nach Restlaufzeiten. Die Raute markiert den Durchschnitt, die Balken zeigen die Verteilung der Ergebnisse. Liegt der Prozentwert über Null, schnitten die Anleihen, die oft auch inflationsgeschützt oder „inflation-linked bonds“, kurz „Linker“ genannt werden, besser ab als herkömmliche Anleihen.

Was viele Anlegerinnen und Anleger nicht wissen:

  • „Traditionelle Anleihen bieten eine feste Verzinsung, in welche die geschätzten Inflationserwartungen für die gesamte Laufzeit bereits eingepreist sind.“
  • „Bei inflationsgeschützten Anleihen wird die tatsächliche Inflation (mit einem gewissen Zeitverzug) eingepreist: Die Verzinsung ist an einen Verbraucherpreisindex beziehungsweise die Inflationsrate gekoppelt.
  • „Diese Anleihen bieten eine vergleichsweise geringe Basisverzinsung plus einen Inflationsausgleich.“
  • „Entscheidend ist nicht die Höhe der Inflation, sondern die Abweichung von den Erwartungen. Nur wenn die Verbraucherpreise stärker steigen als erwartet, lohnen sich die Bonds.“

Das zeigt die Studie:

  • „Über die vergangenen 24 Jahre hinweg boten inflationsgeschützte Anleihen im Durchschnitt Schutz vor der Inflation.“
  • „Lag die Inflation über den Erwartungen lieferten die Linker über alle Laufzeiten hinweg eine höhere Realrendite als traditionelle Anleihen.“
  • „Wenn die tatsächliche Inflation im erwarteten Korridor lag, schnitten beide Anleihetypen recht ähnlich ab. Über alle Laufzeiten hinweg betrug der Vorteil der inflationsgeschützten Papiere einen Prozentpunkt.“

Sebastian Dörr fasst die Ergebnisse zusammen:

  • „Inflationsgeschützte Anleihen sind kein Allheilmittel gegen steigende Preise. Sie bieten vor allem dann einen Mehrwert, wenn die Inflation langfristig und unerwartet über den Prognosen liegt.“
  • „Wer jedoch auf kurzfristige Inflationsschübe reagieren möchte, sollte bedenken: Der Schutz wirkt zeitverzögert und traditionelle Anleihen können in der Folgezeit attraktivere Renditen liefern.“
  • „Bei der aktuellen Kerninflation von 2,4 Prozent und anhaltender Unsicherheit lohnt sich eine differenzierte Betrachtung der Laufzeiten und Markterwartungen – statt blindem Vertrauen in den vermeintlichen Inflationsschutz.“

HQ Trust-CIO Christian Subbe sieht weitere Alternativen:

  • „Die Kapitalmarktexperten sind sich uneins, ob Linker in einer strategischen Allokation tatsächlich Mehrwert bieten.“
  • „Auch Eigenkapitalinstrumente oder solche, die eine vertragliche Preisanpassung enthalten, eignen sich gut, um sich gegen Inflation zu schützen.“
  • „Dazu zählen beispielsweise Aktien, bestimmte Infrastrukturanlagen und auch Immobilien.“

Bitte beachten Sie: Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Die Darstellung ist keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite dienen lediglich der Information. 

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