29. Juni 20263 Minutes

Können die Terminmärkte den Ölpreis vorhersagen?

Wo der Ölpreis in einem Jahr steht, ist für Unternehmen, Verbraucher und Investoren gleichermaßen relevant. Viele orientieren sich an den Terminmärkten, um verlässliche Signale für die kommenden zwölf Monate abzulesen. Aber sind sie das? Pascal Kielkopf ist dieser Hoffnung empirisch auf den Grund gegangen und hat die Prognosekraft der Öl-Futures untersucht.

Zeitraum: Dez 1983 – Jun 2026, Quelle: LSEG; HQ Trust Research.

In seiner datenbasierten Analyse betrachtete der Kapitalmarktstratege von Family Office HQ Trust zunächst das Verhältnis zwischen dem Preis eines WTI-Öl-Futures mit zwölf Monaten Laufzeit und dem aktuellen Spotpreis. Liegt der Future über dem Kassapreis, rechnet der Markt tendenziell mit steigenden Ölpreisen. Liegt er darunter, werden fallende Preise erwartet.

Im zweiten Schritt verglich Pascal Kielkopf diese Markterwartung mit der tatsächlichen Entwicklung des Ölpreises in den folgenden zwölf Monaten. Die Ergebnisse zeigt er in einer Punktgrafik für den Zeitraum Dezember 1983 bis Juni 2026.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • „Am Terminmarkt wird im Durchschnitt mit leicht fallenden Ölpreisen gerechnet. Über den gesamten Untersuchungszeitraum lag der Preis des Zwölf-Monats-Futures im Mittel 2,1 Prozent unter dem Spotpreis.“
  • „Die Realität sah anders aus. Tatsächlich lag der Ölpreis zwölf Monate später im Durchschnitt 7,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Die zukünftige Ölpreisentwicklung wurde also meist unterschätzt.“
  • „Die Analyse zeigt, dass die Futures-Märkte relevante Informationen enthalten und in der Tendenz die Richtung des Ölpreises vorgeben.“
  • „Wer jedoch eine präzise Prognose erwartet, wird enttäuscht. Die Streuung der Ergebnisse ist enorm. Selbst bei ähnlichen Markterwartungen können die tatsächlichen Preisbewegungen später völlig unterschiedlich ausfallen.“

Was Investoren aus der Analyse lernen können:

  • „Die Futures-Märkte sind keine Kristallkugel, aber sie liefern durchaus Hinweise auf die zukünftige Richtung des Ölpreises.“
  • „Für Unternehmen mit hohem Ölverbrauch, etwa Fluggesellschaften, sind Futures zentral für die Preisplanung und ein wesentlicher Bestandteil der Geschäftsstrategie.“
  • „Im Durchschnitt hätte es sich ausgezahlt, den Ölpreis frühzeitig über den Terminmarkt zu fixieren, da die tatsächliche Preisentwicklung meist über den Erwartungen lag.“
  • „Für Investoren sind die Preisunterschiede an den Futures-Märkten vor allem an Extrempunkten informativ.“
  • „In Ölpreisschocks liegen Futures häufig deutlich unter dem Spotpreis, in Rezessionsphasen mit stark gefallenen Spotpreisen hingegen darüber, was oft ein Signal für baldige Wendepunkte ist.“

Bitte beachten Sie: Die Vermögensanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden und kann im Extremfall zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals führen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft. Auch Prognosen haben keine verlässliche Aussagekraft für künftige Wertentwicklungen. Die Darstellung ist keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Alle Inhalte auf unserer Webseite dienen lediglich der Information. 

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