
Warum ein Weltportfolio mehr braucht als den MSCI World

Der MSCI World gilt für viele Anleger als ideales Basisinvestment – diversifiziert, global, solide. Doch der Name täuscht: Denn der vermeintliche „Weltaktienindex“ bildet nur Industrieländer ab und lässt Schwellenländer vollständig außen vor. Dass diese Lücke mehr ist als ein Detail, wird durch eine langfristige Analyse deutlich.
Zeitraum: Jan 1988 –Jan 2026 | Quelle: LSEG, HQ Trust Research.
Um zu zeigen, was eine Anlage in den MSCI World leisten kann – und was nicht – vergleicht Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, die Performance des MSCI World mit jener des MSCI Emerging Markets seit dessen Auflage Anfang 1988. Die Analyse basiert auf Total-Return-Daten in DM/EUR und umfasst damit nahezu vier Jahrzehnte Börsengeschichte.
Der linke Chart zeigt die kumulierte Wertentwicklung beider Indizes. Hier wird sichtbar, wie stark die Aktienmärkte der Schwellenländer langfristig gewachsen sind – allerdings mit deutlich größeren Ausschlägen nach oben und unten. Der rechte Chart stellt die Performance der Schwellenländer relativ zum MSCI World dar. Er macht die Zyklen sichtbar, in denen mal die Industrieländer, mal die Schwellenländer die Nase vorn hatten.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- „Der MSCI World ist kein Weltindex, sondern bildet ausschließlich Industrieländer ab – hauptsächlich die USA, Europa und Japan. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien fehlen hier komplett.“
- „Im Klartext heißt das: Der Index enthält 0 % Schwellenländer, dafür aber rund 70 % USA. Wer ihn als alleinige Basis nutzt, bekommt faktisch ein Portfolio, in dem US‑Technologiewerte den dominantesten Anteil ausmachen.“
Langfristig erzielten Aktien aus Schwellenländern eine höhere Rendite als Industrieländeraktien. Allerdings zum Preis deutlich stärkerer Kursschwankungen.
- „Seit 1988 erzielte der MSCI Emerging Markets rund 10,0 % p.a., der MSCI World dagegen 8,5 % p.a. – und das trotz der starken Dominanz der US‑Technologiewerte in den vergangenen 15 Jahren.“
- „Die Volatilität lag historisch im Schnitt bei 22 % p.a. (Emerging Markets) gegenüber 15 % p.a. (World). In den letzten Jahren fiel diese Differenz allerdings immer geringer aus.“
- „Die Performance beider Regionen verläuft in ausgeprägten Zyklen: Mal liegen die Industrieländer vorn, mal die Schwellenländer. Diese Zyklen dauern oft mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte.“
Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?
- „Wer sein gesamtes Aktienportfolio allein über den MSCI World abbildet, verzichtet bewusst oder unbewusst auf rund die Hälfte der Weltwirtschaft.“
- „Beide Regionen haben langfristig ihre Berechtigung im Portfolio. Es ist weder optimal ausschließlich auf Schwellenländer noch allein auf Industrieländer zu setzen.“
- „Die Wachstumsdynamik in den meisten Schwellenländern dürfte auch in den kommenden Jahren über jener der Industrieländer liegen. Ein schwächerer Dollar könnte zusätzlichen Rückenwind liefern.“
- „Die Zyklen der Out- und Underperformance sind kaum präzise zu timen. Daher ist es besser, dauerhaft in beiden Segmenten investiert zu bleiben, statt auf den perfekten Wechselzeitpunkt zu spekulieren.“
- „Wir empfehlen, über breit gestreute Fondsansätze einen substanziellen, strategischen Anteil von rund 10 bis 20 % in Schwellenländern zu halten.“
